Handwerkliches Ausbildungszentrum

Ruanda – Butare

Musee National Du Rwanda

Die Idee der Schaffung eines handwerklichen Ausbildungszentrums geht auf die Gründung des Nationalmuseums von Ruanda zurück. Wegen des 1990 ausgebrochenen Krieges konnte es bis zum Zeitpunkt des Völkermordes und der politischen Massaker des Jahres 1994 nur in geringem Umfang betrieben werden.

Im Oktober 1994 nahm das Nationalmuseum 8 Waisen aus dem Wiedereingliederungsprogramm für Waisen auf. In zwei Jahren erlernten sie, Postkarten aus Bananenblättern herzustellen.

1996 wurde in Zusammenarbeit mit der GTZ/AFSO (Hilfsorganisation für alleinstehende Frauen und Waisen) eine Studie erstellt, die die Ziele und Aktivitäten des Zentrums festlegte.

Im April 1997 wurden 60 Jugendliche in 5 Werkstätten aufgenommen, 4 Werkstätten befanden sich in vom HCR zur Verfügung gestellten Zelten, eine Werkstatt in einem der Museumsgebäude. Im selben Jahr wurde ein zusätzliches Gebäude (wörtlich: Schuppen) errichtet, in dem sich heute die Korbwerkstatt, die Perlenwerkstatt und die Postkartenherstellung befinden.

1998 zählte die Einrichtung 61 Auszubildende, davon 27 Mädchen und 34 Jungen. Im Laufe des Jahres 1999 wurde ein Gebäude für die Keramikwerkstatt gebaut, und die Zahl der Auszubildenden stieg auf 89, davon 45 Mädchen und 44 Jungen. Der Bau dieser drei Gebäude wurde zum größten Teil von der GTZ/AFSO finanziert.

Im Jahr 2000 wurde ein Gebäude für die Schmiedewerkstatt errichtet, und die Zahl der Auszubildenden erreichte 100, davon 67 Mädchen und 33 Jungen. Neben der Ausbildung im handwerklichen Bereich werden die Jugendlichen in den Fächern Rechnen, Lesen, Gesellschaftskunde und Tanz unterrichtet.

Im Moment umfasst das Ausbildungszentrum 5 Werkstätten:

1. Postkartenwerkstatt
Die Werkstatt hat heute 18 Auszubildende, 16 Mädchen und 2 Jungen, die von zwei Ausbildern betreut werden.

Sie stellen Postkarten aus Bananenblättern her, die im Museumsladen verkauft werden.

2. Keramikwerkstatt
Die Keramikwerkstatt hat 23 Auszubildende, 7 Mädchen und 16 Jungen, die von zwei Ausbildern betreut werden.

In dieser Werkstatt erlernen die Jugendlichen zunächst die traditionellen und danach die modernen Techniken dieses Handwerks. Die Töpferei hat viele Neuerungen bei der Verarbeitung des Tons, beim Zusammensetzen und beim Brennen eingeführt.

Die Töpferei unterteilt sich in zwei Bereiche: die Herstellung von Gebrauchsgegenständen und die künstlerische Keramik. Aus diesen beiden Bereichen entstehen die verschiedensten Objekte.

3. Korbwerkstatt
In der Korbwerkstatt werden 24 Jugendliche von einer Ausbilderin und drei erfahrenen Korbmachern betreut. Sie stellen mit verschiedenen Techniken eine Vielfalt von Produkten her. Hier werden traditionelle Handwerkstechniken gepflegt und weitergegeben.

Man unterscheidet in Ruanda zwei verschiedene Arten von Korbwaren: Korbwaren für den Gebrauch und künstlerische Objekte aus Korb. Letztere vereinen das Nützliche mit dem Angenehmen: viele Produkte, die Kunstgegenstände im Sinne des Wortes sind, sind auch im alltäglichen Leben von Nutzen.

4. Perlenwerkstatt
Hier werden 20 Jugendliche von 3 Künstlern ausgebildet. Sie stellen Schmuckartikel her.

Die feinen Perlen werden zur Herstellung von Schmuck oder zur Verzierung verschiedener Gegenstände verwendet. Die dekorativen Motive, die den Mustern der Keramikgegenstände ähneln, werden durch die Anordnung verschiedenartiger und verschiedenfarbiger Perlen zu Mustern gestaltet.

5. Schmiedewerkstatt
Diese Werkstatt zählt 15 Auszubildende, die von zwei erfahrenen Schmieden betreut werden, die in der alten Schmiede von Nyabisindu beschäftigt waren. Sie stellen verschiedene Produkte aus Schrott oder wiedergewonnenem Blech her.

Die Schmiedewerkstatt stellt vor allem Haushaltsgegenstände und Werkzeuge für die Feldarbeit her.

Mit der Gründung des handwerklichen Ausbildungszentrums verfolgt das Nationalmuseum zwei Ziele:

die Bewahrung traditioneller Handwerkstechniken und die Förderung von Kreativität und Originalität

die Unterstützung elternlos aufwachsender Kinder bei der Reintegration in die Gesellschaft durch Vermittlung von Wissen und handwerklichen Kenntnissen

Soziale Reintegration und Förderung von Kunst und Kunsthandwerk:

Das Nationalmuseum Ruandas setzt das zweite Ziel in Zusammenarbeit mit der GTZ/AFSO um, indem es Abgänger der Einrichtung dabei unterstützt, sich niederzulassen: es gibt bereits 7 solcher Niederlassungen in drei Städten: Ngoma, Mbazi und Shyanda.

Perspektiven

Das Nationalmuseum plant, das handwerkliche Ausbildungszentrum durch neue Werkstätten zu erweitern: geplant sind eine Lederwerkstatt, eine Stickerei, eine Holz- und eine Bildhauerwerkstatt.

Die Umsetzung dieser Projekte stößt jedoch auf Schwierigkeiten, das Zentrum sieht sich vor allem mit folgenden 3 Problemen konfrontiert:

fehlende Infrastruktur zur Aufnahme einer größeren Anzahl von Auszubildenden

Fehlen von Ausrüstungsgegenständen, besonders von Produkten aus dem Ausland

Fehlende Absatzmöglichkeiten im regionalen und internationalen Bereich. Die Nachfrage der einheimischen Bevölkerung ist angesichts der sehr geringen Kaufkraft unbedeutend.

Daher möchte OURCHILD dieses sinnvolle Ausbildungsprojekt für Kriegswaisen gerne mit Spenden unterstützen.

Aber auch durch den Kauf der kunstvollen Karten aus Bananenblättern können Sie das Projekt unterstützen. OURCHILD organisiert den Vertrieb der Karten (incl. Umschläge) in Deutschland. Die Auszubildenden der Museumswerkstatt entwickeln eine große Phantasie was die Motive angeht, einige haben wir Ihnen hier als Motive abgebildet. Von jeder Karte mit einem Preis von 1,30 Euro gehen 0,70 Euro direkt an das Projekt in Ruanda.

Die restlichen 0,60 Euro werden für die Werbung, Druck und die Verwaltungsaufwendungen benötigt. Wir schicken Ihnen eine Rechnung und für den Spendenanteil eine Zuwendungsbestätigung zu.