Kindersoldaten in Rio de Janeiro

Brasilien – Rio de Janeiro

Kindersoldaten

Kindersoldaten kennt man üblicherweise aus Kriegsgebieten. Die Kindersoldaten in Rio de Janeiro sind es bis an ihr Lebensende. Etwa 9000 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren sind dort bewaffnet, mehr als 5000 unbewaffnet für verschiedene Drogenkartelle in den Slums tätig, etwa 16 Prozent davon Mädchen. Nur 21 Prozent davon erreichen das 21. Lebensjahr. Kindersoldat in Brasilien zu sein wird vor der Welt-Arbeitsorganisation WLO mittlerweile als „hochriskante Ausbeutung von Arbeitskraft“ eingestuft. Ein Kindersoldat hat entweder die Funktion eines Spähers – das sind die Jüngsten, 8 bis 15 Jahre alte Kinder. Diese Gruppe warnt vor herannahenden Polizisten oder vor Mitgliedern verfeindeter Gangs. Des Weiteren gibt es Soldados, die in erster Linie versuchen, die Polizei oder andere Gangs abzuwehren. Sie besitzen Waffen oder auch Handgranaten und feuern nicht gezielt auf Leute, sondern versuchen, sie abzuschrecken. Die Scharfschützen schießen gezielt, wenn unerwünschte Personen in das jeweilige Gebiet eindringen. Schließlich gibt es noch die Leibwächter der großen Drogen- und Bandenbosse.   Der Hauptgrund für die hohe Todesrate ist der Verlust in den Kämpfen gegen die Polizei und gegen andere Banden. Einige Kindersoldaten sterben auch, weil sie als Verräter und Überläufer gebrandmarkt und ermordet oder weil sie als Feiglinge bezeichnet und zur Abschreckung von den Drogenbossen und ihren Stellvertretern hingerichtet werden. Das Projekt „Nie mehr Kindersoldaten“ des Ourchild-Projektpartners IBISS (Instituto Brasileiro de Inovações em Saúde Social) ermöglicht Kindern und Jugendlichen Arbeit und Bildung, ohne dass sie aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden. Unter den 374 Personen, die seit mehr als neun Monaten das Projekt verließen, herrscht bisher eine Rückfallquote von nur 3,8 %. IBISS betreut die einzelnen Soldatos insgesamt fünf Jahre lang und beschäftigt 12 Kontaktpersonen sowie fünf weitere Mitarbeiter, die mit speziellen Therapien die in der Regel hoch traumatisierten jungen Menschen unterstützen. Derzeit sind 94 Ex-Soldados im Projekt und es wurden 468 Soldados zu Ende betreut. Zwei Anwälte begleiten die Arbeit juristisch, da die Kinder und Jugendlichen in der Regel mehrfache Mörder sind. Die Umschulung der Betroffenen dauert drei Jahre. In dieser Zeit benötigen sie finanzielle Zuwendung von außen, um die Schule oder Lehre sowie Therapie ohne Unterbrechung vollenden zu können. Finanzielle Patenschaften, die Ourchild vermittelt, sind deshalb notwendig für den Erfolg dieses Projekts. Eine Patenschaft von 50 Euro pro Monat über drei Jahre hinweg ermöglicht eine abgeschlossene Resozialisierung. Spenden Sie, damit immer wieder neue Kindersoldaten ihrem schwierigen Schicksal entkommen können! Sie erhalten dann direkt von uns mindestens ein Mal pro Jahr einen Bericht über die Projektentwicklung und eines der betroffenen Kinder/Jugendlichen.

»Unser Krieg« in Rio de Janeiro

In Brasilien herrscht gegenwärtig ein Krieg, das Zentrum ist Rio de Janeiro. 34.000 Tote jährlich, allein in Rio, Polizeistationen werden in die Luft gesprengt, Favelas werden von der Polizei angegriffen, tote Zivilisten – darunter viele Kinder.

Brasilianer sprechen von „unserem Krieg“. Was ist das für ein Krieg? Es geht um Drogen, Menschen und Waffenhandel. In Rio leben 6,2 Millionen Menschen in Favelas, das sind 50% der Gesamtbevölkerung. Favelas sind illegale Siedlungen in denen Menschen, die früher aus dem Umland und aus den ländlichen Gebieten nach Rio zogen, sich eine primitive Unterkunft bauen. Ein Lebens- bzw. Schlafraum 4x4m, vielleicht ein kleiner Essraum, mehr brauchen die Menschen nicht, mehr wollen Sie nicht. Ihr Leben findet auf der Straße statt. Heute entstehen weitere Favelas obwohl es keine Zuwanderung in Rio mehr gibt. In den bescheidenen, primitiven Behausungen leben teilweise 2 bis 4 Familien. Die neuen Favelas sind Bedarfsdeckung der vorhandenen Bevölkerung.

Favelas entstehen auf Geländen in denen in den letzten 15 Jahren keine Investitionen getätigt wurden. IBISS (Instituto Brasileiro de Inovacoes em Saude Social), die größte gemeinnützige Hilfsorganisation in Rio mit über 500 Mitarbeitern ist in 84 von ca. 500 Favelas aktiv. Heute verfügt IBISS über Scouts die solche Gelände entdecken und die Voraussetzung schaffen, dass die Ansiedlung legal und unter Vorbereitung der Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Strom) stattfinden kann. … mehr

Kindersoldaten in Rio finden Hilfe in Berlin

Am 5. Juni um 17 Uhr fand im Leibniz Gymnasium Berlin eine bisher einmalige und höchst beeindruckende Veranstaltung statt. Mehr als fünfzig Schüler der Klassen 7 bis 13, viele Eltern und Lehrer hatten sich versammelt, um ihre Patenschaft mit dem ehemaligen Kindersoldaten Melque zu beschließen. Melque lebt in den Elendsvierteln (Favelas) Rio de Janeiros und hat bis vor kurzem als Soldado, wie es in Brasilien heißt, für die Drogenmafia gearbeitet. Aufgrund der Tätigkeit von IBISS (Instituto Brasileiro de Inovações em Saúde Social) erhielt er die Möglichkeit, auszusteigen, braucht aber jetzt eine Ausbildung.

Die Siebtklässler des Leibniz Gymnasiums haben sich entschlossen, ihn drei Jahre lang hierin zu unterstützen und jeden Monat 50 Euro dafür zu bezahlen – so viel braucht IBISS, um eine/n Kindersoldaten/in (mehr als 20 Prozent sind Mädchen) umzuschulen. Mit dabei ist die spezielle Therapie, die ein Kindersoldat benötigt, um von dem Trauma des Mordes und anderen schweren Schädigungen loszukommen. Diese Therapie erfolgt in Gruppen, und Mittel wie Graffiti/Kunst und Rap/Musik und Selbstausdruck sind sehr erfolgreich im Einsatz.

Die deutsche Kinderhilfsorganisation Ourchild hat die Patenschaft vermittelt und sorgt dafür, daß die Kommunikation zwischen den beiden Partnern aufgebaut und erhalten wird. So waren die Vorstandsvorsitzende Marion Schneider und der Direktor von IBISS Nanko van Buuren Gäste in der Aula des Leibniz Gymnasiums und wurden von der Direktorin, Frau Rösch, persönlich begrüßt. … mehr