Klaus Vogel – Bufdi bei Ourchild e.V.

Bundesfreiwilligendienst bei Ourchild e.V.

Klaus Vogel, gelernter Dreher, 58 Jahre alt, „Bufdi“ bei Ourchild e.V.

Was nach einem ungewöhnlichen Lebenslauf klingt, ist für Klaus Vogel seit dem 1. Mai dieses Jahres Realität. Als Bufdi bezeichnet man Bundesfreiwilligendienstleistende. Menschen jeden Alters, die sich mindestens ein Jahr für das Allgemeinwohl engagieren. Und genau das macht Klaus Vogel nun seit dem Frühling. Heute soll dieser engagierte und enthusiastische Helfer und Mitarbeiter vorgestellt werden.

Durch seinen Sohn, der eine Ausbildung gesucht hat, ist Herr Vogel vor einigen Monaten auf Ourchild aufmerksam geworden. Auch er hat zu dieser Zeit ein neues Betätigungsfeld gesucht und war sofort von der Arbeit bei einem Verein begeistert. Nach dem Bewerbungsgespräch war klar: Ourchild e.V. kann ein neues Teammitglied in seiner Mitte begrüßen. Seitdem engagiert sich Herr Vogel für das internationale Kinderhilfswerk und seine Idee.

Vor allem in der Bürotätigkeit findet Herr Vogel sich wieder. Selbstverständlich, nach den acht Jahren Büroerfahrung, die er in seinem Leben vor Ourchild bereits gesammelt hat. Doch Büroarbeit klingt zu vage, als dass man sich darunter etwas Konkretes vorstellen kann. Wie läuft also so ein typischer Arbeitstag eines Bufdis bei einem Verein ab?

Auf diese Frage antwortet mir Herr Vogel, dass er ab 10 Uhr morgens im Büro ist. Zuerst schaltet er den Computer ein und überprüft die E-Mails. Ihm kommt die Aufgabe zu, die elektronische Post nach Wichtigkeit zu sortieren und gegebenenfalls direkt an die Zuständigen weiterzuleiten. Ebenso ist er für den Telefondienst verantwortlich und beantwortet gerne alle Fragen von Spendern und solchen, die es noch werden wollen. Denn auch die Verwaltung der Spenderdateien und die Bearbeitung von Aufträgen liegt in seiner Hand. Er ist nicht zuletzt auch Herr über die vielen Spendendosen des Vereins. Und es werden immer mehr, denn Herr Vogel kümmert sich auch um deren Verteilung in umliegenden Geschäften. Eine Aufgabe, die lange Zeit niemand übernehmen konnte. Zuverlässigkeit ist bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe im Umgang mit Spendengeldern nämlich das A und O. Eine Eigenschaft, die Herr Vogel eindrucksvoll bewiesen hat.

Ebenso ist Herr Vogel für die Post von Ourchild e.V. verantwortlich. So zählt es auch zu seinen Aufgaben die Post an der Frankiermaschine zu frankieren und über die Ausgaben des Portos genau Buch zu führen. Schlussendlich schickt er die Post noch ab, bevor sein arbeitsreicher Tag um 14 Uhr zu Ende geht.

Auf die Frage, welche Aufgaben ihm am meisten gefallen, antwortet er ausnahmsweise kurz und bündig: Einfach alles. Doch was schätzt Herr Vogel an seiner Arbeit bei Ourchild besonders? Auch auf diese Frage hat Herr Vogel sofort eine Antwort parat: Das tolle Arbeitsklima ist es, was ihn seine Aufgaben mit noch mehr Freude erledigen lässt. Darüber hinaus ist er dankbar für die Einblicke in die Arbeit eines Vereins. Denn nicht selten hatte er, wie so viele, Zweifel daran, ob das gespendete Geld überhaupt da ankommt, wo es hinsoll. Einen Zweifel, der inzwischen aus dem Weg geräumt werden konnte, denn er hat sich davon überzeugen können, dass Ourchild e.V. bisher viel mit den erhaltenen Spenden hat bewirken können. Und zwar vor Ort. Z.B. in den Problemgebieten Brasiliens oder Nicaraguas. Darüber hinaus hat er fremde Länder während der Arbeit für Ourchild mit ganz anderen Augen kennengelernt. Herr Vogel sagt, dass man sensibel wird für dort herrschende Problematiken und soziale Krisen, abseits von Informationen aus dem Fernsehen. Denn man ist sozusagen ganz nah dabei.  Sogar ein wenig Portugiesisch hat er – so ganz nebenbei – gelernt. Durch die Prüfung der Zahlungsbelege aus Brasilien weiß er jetzt zum Beispiel, dass „Pintura em tecido“ „Malerei in Gewebe“ heißt.

Das Jahr als Bufdi ist noch nicht besonders alt, schon denkt man an das Ende. Denn ein Jahr ist nicht besonders lang. Erst recht nicht, wenn man sich so für seine Aufgaben begeistert wie Herr Vogel. Im Mai 2018 den Bundesfreiwilligendienst um ein halbes Jahr zu verlängern, wäre sein Wunsch. Das ist – zumindest theoretisch – möglich, hängt aber von den zur Verfügung stehenden Mitteln ab. Das ehrenamtliche Engagement soll ihn nach seinem Bundesfreiwilligendienst aber in jedem Fall weiter begleiten.

Zum Schluss hat Herr Vogel die vergangenen Monate bei Ourchild Revue passieren lassen.

Ein Moment, der ihm bei seiner Arbeit besonders im Gedächtnis geblieben ist, war ein Telefonat mit der tansanischen Botschaft. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter plante gebrauchte Laptops, im Namen des Vereins, nach Tansania mitzunehmen. Dass das nicht so ganz einfach ist, bemerkte Herr Vogel bei seiner Recherche zu den Zollbestimmungen in Tansania. Als er auf verschiedenste Mails keine Antwort bekam, ergriff er kurzerhand die Initiative und rief bei der Botschaft an, um das Problem zu lösen. Ein Moment, der auch für ihn nicht alltäglich ist, und an den er noch gern zurückdenkt.

Doch statt Vergangenes zu rekapitulieren, denkt  Herr Vogel viel lieber an die vielen spannenden Aufgaben, die in den verbleibenden acht Monaten noch auf ihn warten.

 

Sofia Orfanidis